Gedankenkarussel - Warum Grübeln ein Zeichen für Burnout sein kann und was man tun kann

 
 
 

Für manche Menschen ist Grübeln ein Fremdwort und selbst, wenn sie wissen, was es bedeutet, dann können sie sich nicht vorstellen, was daran schädlich sein soll.

Andere denken bei Grübelei sofort an Depression und Selbstmordgedanken.

Es gibt jedoch eine Menge Fällen dazwischen, die bereits unter „Grübelei“ fallen, und von denen Menschen betroffen sind, die nicht depressiv und von Selbstmord weit entfernt sind. Trotzdem ist auch hier die Gesundheit durchaus gefährdet, wenn wir das ständige Gedankenwälzen und - drehen nicht mehr stoppen können.

Warum sollten wir Grübeln nicht auf die leichte Schulter nehmen?

Nicht lustig ist es, wenn wir über Wochen und Monate aus dem Grübeln nicht herauskommen und immer wieder neue Situationen finden, über die wir grübeln müssen. Wir können darüber konkret krank werden.

Umgekehrt kann plötzliches und anhaltendes Grübeln ein Zeichen für einen bereits bestehenden Burnout sein. Viele Betroffene bilden jedoch nicht den Zusammenhang und auch die Menschen in ihrem Umfeld nicht.

Gerade für Führungskräfte ist es nützlich, etwas mehr über den Zusammenhang von Grübeln und Burnout zu wissen, um bei betroffenen Mitarbeitern aufmerksam zu werden.

1. Was ist Grübeln nochmal genau?

Ist das nicht einfach intensives Nachdenken?

Nein, ganz und gar nicht.

Beim Grübeln wälzen wir immer wieder Fragen und die gleichen Gedankengänge, ohne zu Entscheidungen zu kommen. Es kommt zu einem zwanghaften „sich Beschäftigen“ mit einem Thema, und obendrein in einer negativen, sorgenvollen Art.

Nicht zu verwechseln also mit der leidenschaftlichen Recherche, in die sich ein Radliebhaber beim Kauf eines neuen Fahrrads stürzt, wochenlang Modelle und Preise vergleicht und sich für einige Zeit auch mal mit der Entscheidung schwer tut.

Beim Grübeln kommt der Geist nicht mehr zu Ruhe, es gibt keine Pausen, wo sich Körper und Geist erholen können. Wir nehmen die Grübelei schließlich mit in den - gestörten - Schlaf und denken uns in die Erschöpfung.

Zur Erinnerung: Kopfarbeit ist echte Arbeit!

Zielgerichtete, effiziente Kopfarbeit ist für uns anstrengend, weshalb wir nach einigen Stunden am Schreibtisch rechtschaffen müde und meistens auch hungrig sind.

Ein Beispiel aus der Tierwelt:

Für die meisten Hunde sind 10-15 Minuten Nasen-und Kopfarbeit (Schnüffel-/Suchspiele/Tricks erlernen) so anstrengend als würde man mit ihnen 1 bis 2 Stunden spazierengehen. Wenn Du also Deinen Hund auspowern willst, probier es mit Kopfarbeit, denn rein körperlich kannst Du manche Rassen in Deinem Alltag gar nicht auslasten.

Der Unterschied zwischen effektiver Kopfarbeit bei Mensch und Hund und dem gesundheitsschädlichen Grübeln ist:

Beim Grübeln haben wir keinen Endpunkt und keine Erfolgserlebnisse!

Ein Hund hat am Ende einer Einheit den Gegenstand/den Mensch gefunden, wurde gelobt und hat seine Leckerlis.

Wenn wir Menschen intensiv geistig arbeiten, sind wir nach ein paar Stunden normalerweise ein ganzes Stück weiter, haben etwas „geschafft“ oder sogar zu Ende gebracht. Wir haben einen Abschluss, der uns die Erlaubnis gibt, uns zu erholen.

Nicht so beim Grübeln. Wir kommen nie wirklich weiter und fühlen uns zu keinem Zeitpunkt erleichtert. Wir glauben nur noch, dass wir nach Lösungen suchen.

2. Warum kann Grübeln ein Anzeichen für Burnout sein?

Wenn Du normalerweise nicht zum Grübeln neigst, ist Grübelei ein deutliches Anzeichen, dass Du Dich an Deine Grenzen gebracht hast. Ebenso, wenn Du vielleicht ein von Natur aus vorsichtig entscheidender Mensch bist, aber plötzlich in Grübelei geradezu versinkst.

Denn es liegt der Verdacht nahe, dass Du körperlich in einer Verfassung bist, in der Du nicht mehr anders kannst, als Dich zu sorgen und zu grübeln.

Was steckt dahinter?

Bei andauerndem Stress steigt unser Cortisolspiegel. Grundsätzlich brauchen wir Cortisol, aber eben nur für eine begrenzte Zeit, um unter langfristigem Stress zu funktionieren. Irgendwann muss das Cortisol wieder abgebaut werdend damit der Körper die Ressourcen wieder auffüllen kann. Der Abbau von Cortisol erfolgt in der Regel in den ruhigen Phasen des Tages und der Nacht.

Der Cortisolspiegel steigt gegen Ende der Nacht bzw. zum Morgen hin, um uns auf den Tag vorzubereiten. Damit wir aus dem Bett kommen, könnte man sagen. Bleibt der Cortisolspiegel aber dauerhaft erhöht, kommen wir nicht mehr zur Ruhe.

Keine Ruhe - kein Abbau von Cortisol - keine Erholung und Regeneration für den Körper!

Ein zu hoher Cortiolspiegel belastet langfristig unsere Organe, unter anderem die Nebenniere, in der es produziert wird.

Neben anderen negativen Auswirkungen unterdrückt Cortisol Hormone, die uns glücklich stimmen.

Die Folge: Es fällt physisch schwer, Dinge positiv zu sehen und zuversichtlich zu sein - denn wir fühlen uns einfach nicht so.

Normalerweise sagt man: Gefühle folgen den Gedanken. Daher der grundsätzliche Rat: „Denke positiv, fokussiere Dich auf positive Dinge und Du fühlst Dich auch gut (und findest eher Lösungen).“

Wenn aber Dein Körper so ermüdet und erschöpft ist, dass die Produktion der positiv stimmenden Hormone wie Serotonin nicht mehr funktioniert, dann kannst Du glückliche Gedanken denken bis Du umfällst, es wird kaum etwas bringen.

Situationen, die objektiv normale „Alltagsherausforderungen“ sind, erscheinen plötzlich problematisch, beängstigend, unlösbar.

Für Beobachter ist nicht nachvollziehbar, warum die Person nicht gelassen bleibt und warum alles so schwarz gesehen wird.

3. Tipp für den Umgang mit vom Grübeln Betroffenen

Wenn uns verstärkte und andauernde Grübelei bei einem Menschen in unserem Umfeld auffällt, wäre es also eigentlich an der Zeit, einen Arztbesuch in Betracht zu ziehen.

Meistens reagieren wir jedoch eher genervt auf die Person:

„Was ist nur mit dir los? Warum siehst du überall Probleme? Du spinnst. Was du dir alles einbildest. Hast Du keine andere Beschäftigung?“

Oder wir meiden die Person sogar, wenn das möglich ist.

Selten kommen wir auf die Idee, dass die Person gar nicht mehr anders kann!

Wichtiger wäre also, behutsam beim anderen Aufmerksamkeit dafür zu wecken, dass sie sich verändert hat und auf sich achtgeben muss.

4. Teufelskreis Burnout - Grübeln - Burnout

Wichtig wäre in dem Fall konkret, dass der Körper und der Geist zur Ruhe kommen - und das über eine längere Zeit - und sich der Hormonhaushalt wieder erholen und stabilisieren kann.

Je nach dem, wie angegriffen der Hormonhaushalt bereits ist, ist das in Selbsthilfe gar nicht mehr möglich und ärztliche Unterstützung, egal ob mit Schulmedizin oder Naturheilverfahren oder einer Kombination aus beidem, ist erforderlich.

Denn das Schlimme am Grübeln: Grübeln erschöpft uns, Erschöpfung befeuert das Grübeln, was wiederum die Erschöpfung aufrecht erhält.

5. Was Du tun kannst, wenn Du bei Dir selbst verstärktes und anhaltendes Grübeln ohne Entscheidungsfindung bemerkst:

  • Konsequent Pausen einlegen und sich von den Themen innerlich distanzieren

  • Sich bewusst auf andere Dinge konzentrieren

  • Bewusst negative Gedankengänge unterbrechen. Ein inneres “Stopp!” aussprechen und die Gedanken neu formulieren

  • Für Ausschüttung von Glückshormonen sorgen, z.B. durch Sport, Zeit mit Freunden

Wenn das nicht mehr hilft, dann sollte man einen Blick auf seinen Hormonspiegel werfen lassen. Denn egal wie Du Dich bemühst, Du kannst Dir schwer selbst helfen, wenn Dein Körper Dir nur noch signalisiert, dass alles todernst ist.

Es gibt auch den Fall, dass wir ungünstige Denk- und Entscheidungsstrategien erlernt haben, sozusagen das Grübeln erlernt haben und uns diese Muster krank machen können. Oder bestimmte Wesenszüge begünstigen, dass wir in konfliktträchtigen Situationen für Grübeln anfällig sind. Um diese Fälle geht es demnächst auf dem Blog.